Angeregt durch die Disskussion in einem Nachbar-Thread (über die HS10) habe ich mich entschlossen, einen extra dafür zu beginnen.
Mir geht es da auch oft so, dass ich denke, dass es früher meist besser war, aber das ist - wie so oft - nur eine mehr oder weniger verklärte Sichtweise.
Gerade bei unserem Hobby ist der Fortschritt durch die Technik unübersehbar und - wie ich finde - nicht zum Nachteil.
Früher:
Da mußte ich mich ständig daran erinnern, wie ich welches Foto gemacht hatte und die Kamera eingestellt war. Meine erste SLR (Fujica AX-3) hatte ja auch nicht viel Möglichkeiten, außer Zeit und Blende. Die Automatiken habe ich seltenst benutzt, da sie nur die Zeitautomatik bot. Später kam die AX-5 und ich hatte noch Blenden und Programmautomatik dabei. Aber da merkte man eine leichte Auslöseverzögerung durch die mechanische Blendensteuerung. Der zusätzliche Freiheitsgrad der wechslbarer Empfindlichkeit war meist auf den nächsten Film beschränkt (Ausnahme waren die Gradationswechsel-Filme von Ilford - aber nur SW) Ganz zu schweigen von Schärfung oder Farbsättigung oder Kontrast.
Der manuelle Betrieb war bei diesen Kameras wirklich besser, als es heute angeboten wird, weil die LED-Zeilen nicht nur die Blende und Verschlußzeit, sondern auch die Anzeige für die Belichtung übernahmen: wenn es drüber oder drunter blinkte, war es über- oder unterbelichtet (so wie es die mittenbetonte Integralmessung eben mass).
Durch etliche Fehlversuche habe ich dann herausbekommen, wie weit ich z.B. den Horizont bei der Messung berücksichtigen muss. Das war im wahrsten Sinne des Wortes Lehrgeld, weil der damalige Rollsensor nur einmal ein Bild aufnehmen konnte.
Was daran doch besser war? Die intensivere Beschäftigung mit der Materie und weniger Möglichkeiten, sich falsch zu entscheiden. Und die Fehler lagen in der Regel eindeutig bei mir.
Kaum eine Möglichkeit, falsche Belichtung oder unscharfe Bilder auf die Kamera zu schieben. Insofern war es "ehrlicher", wenn was daneben ging.
Heute:
Da die digitalen Kameras auch alle Belichtungsdaten mitschreiben (also eine Art "Blackbox" für Fotounfälle), kann die Lernkurve viel steiler ausfallen, als es früher (für den Normal-Knipser möglich gewesen wäre. Allerdings habe ich dabei die Erfahrung gemacht (das läßt sich auch auf viele andere Bereiche übertragen), dass, was man schnell lernt, auch schneller wieder vergisst.
Ein Beispiel aus einem anderen Bereich: Durch meine berufliche Tätigkeit im Außendienst habe ich mein fotografisches Gedächtnis derart trainiert, dass ich beim Blick auf den Straßenaltas die zu fahrende Route zum nächsten Kunden als Film vor meinem inneren Auge ablaufen lies. Das war natürlich vor den Navis. Seit aber die Navis auch in die Firmenfahrzeuge kamen, hatte ich natürlich auch eine Ausrede mehr (Die Navi wollte mich immer durch eine Einbahnstrasse leiten, oder da war ein Fehler in den Daten auf der CD), wenn es zu lange gedauert hat. Aber die langsam antrainierte Fähigkeit geht auch langsam wieder zurück.
Ich denke, dass viel des technischen Fortschrittes uns einiges erleichtert, aber auch vieles an Fähigkeiten scheinbar überflüssig macht und dadurch auch verkümmern lässt.
Vielleicht habt ihr auch ähnliche Erfahrungen gemacht.
Ich denke jedenfalls öfters darüber nach, ob ich den neuesten technischen Errungenschaften nachlaufen soll, oder ob es auf konvetionelle Art und Weise manchmal auch einfacher geht.
Frei nach dem Motto:
Jetzt mit dem neuen superschnellen Computer können wir alle Probleme auch viel schneller lösen, die wir ohne diesen gar nicht gehabt hätten!!!


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. Seit aber die Navis auch in die Firmenfahrzeuge kamen, hatte ich natürlich auch eine Ausrede mehr (Die Navi wollte mich immer durch eine Einbahnstrasse leiten, oder da war ein Fehler in den Daten auf der CD), wenn es zu lange gedauert hat. Aber die langsam antrainierte Fähigkeit geht auch langsam wieder zurück.
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